Dienstag, 5. Juli 2016

Blüten aus Babylon von Günther Klößinger

Günther Klößinger: Blüten aus Babylon
Was habe ich mich auf das Wiedersehen mit der Familie Prancock gefreut! Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Erzählstrang rund um die etwas chaotische und äußerst liebenswerte Patchwork Familie, hat mir auch in diesem ersten Band der Prancock-Reihe am besten gefallen. Aber auch der Kriminalfall, den Inspektor Prancock mit seinem Team lösen muss, ist sehr spannend aufgebaut. Seine Komplexität zeigt sich erst im Verlauf der Geschichte und bringt das Ermittlerteam fast an seine Grenzen. Auch hier setzt der Autor einen Fokus auf das soziale Gefüge im Team. Der Konkurrenzkampf zwischen Fox und seinem alten Rivalen Steffens führt sogar fast zum Scheitern des Teams.
Auszug aus dem Klappentext:
Eine Leiche im Dachzimmer, die eigene Tochter verschwunden: Zwei Fälle zur gleichen Zeit bringen Inspektor Prancock ans Limit. Der Tote war Mitglied im „Bund der Asketen“, einer Glaubensgemeinschaft, die Verzicht und Bescheidenheit predigt. Bei der gerichtsmedizinischen Obduktion stellt sich jedoch heraus, dass der vorgebliche Asket kurz vor seinem Ableben noch Gänsebraten genossen hatte!

Günther Klößinger startet das Buch mit einer Einleitung, in der er die Entstehungsgeschichte des Romans und der Protagonisten, sowie den Prozess des Schreibens, in sehr persönlichen Worten beschreibt. Dieser Einstieg hat mich sehr berührt. Der Roman liegt unter einer dezenten Patina von Retro. Er wurde zu einer Zeit geschrieben, als es noch keine Smartphones gab und die Musik von der Kassette und mit Walkman gehört wurde. In meinem Kopf entstanden beim Lesen Bilder im warmen Kolorit eines zerkratzte Super8 Films.

Der Erzählstil des Romans ist humoristisch und liebevoll, wenn es um die Familie Prancock geht. Er wird aber kantig und eiskalt, je tiefer die Ermittler in den Kriminalfall eindringen. Hier haben mir die Actionszenen sehr gut gefallen und regelrecht in den Bann der Geschichte gezogen. Wie beim zweiten Band der Reihe, "Schnee von Gestern … und Vorgestern", verliert sich die Handlung manches Mal im Detail. Das hat mich aber nicht daran gehindert, das Buch in einem Rutsch durchzulesen und meine Neugierde auf das Ende zu stillen.

Die Hauptcharaktere in Blüten aus Babylon sind so facettenreich beschrieben, dass es mich nicht wundern würde, wenn ich die 16jährige Jasmin Prancock und ihre Freunde in der Eisdiele um die Ecke real treffen würde. Leider fallen einige Nebenfiguren, wie zum Beispiel die Mitglieder der asketischen Glaubensgemeinschaft etwas flach aus.

Es mag seltsam klingen, aber der erste Band liest sich für mich besonders interessant mit dem Vorwissen aus dem zweiten Band. Die Geschichte hat damit mehr Tiefe und ist in ihrer Komplexität verständlicher. Ich habe nicht das Gefühl in der falschen Reihenfolge gelesen zu haben, wie es manchmal bei anderen Buchreihen der Fall sein kann. Im Gegenteil, ich würde allen sogar raten, die Bücher in der rückwärtigen Reihenfolge zu lesen, sonst geht euch ein Stück Lesevergnügen verloren.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es mir Spaß gemacht hat, diesen Roman zu lesen. Für mich ist der erste Band der Reihe eine Art Prequal zu der ganzen Serie. Hier werden die Meilensteine gesetzt, für weitere Kriminalfälle sowie für die spannenden Entwicklungen in der Familie Prancock. Ich bin sehr gespannt auf Band drei.


Lieben Dank, Günther Klößinger, für das Lese-Exemplar.

Eckdaten: eBook, Taschenbuch, 377 Seiten, Verlag epubli GmbH, Bd. 1

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Hier geht’s zur Rezension von Band 2: Schnee von gestern … und vorgestern.
Autoren-Interview: Blick über den Tellerrand mit Günther Klößinger
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Kommentare

  1. Hallöchen!
    Mich hat es auch überhaupt nicht gestört, dass ich den zweiten vor den ersten Band gelesen habe, weil es sich nicht 'falsch' angefühlt hat. Mir hat dieser Teil noch einen Tick besser gefallen, als 'Schnee von gestern ...und vorgestern', weshalb das Buch von mir 4,5 Sterne bekommen hat. :)

    Liebste Grüße,
    Vanessa ♥

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  2. Hallo Vanessa,
    hey, das freut mich sehr, dass sich unsere Eindrücke in dem Punkt decken. Mir hat der erste Band auch etwas besser gefallen. Was mich nicht gewundert hat, weil ich einen Teil der Protagonisten schon kannte und wusste, wie es mit ihnen weitergehen wird. Schade, dass wir noch eine Weile auf Band drei warten müssen.

    Liebe Grüße
    loralee

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