Gern gelesen

Samstag, 14. Januar 2017

Dit un Dat: Ein Lifting für Lora liest

Mein Blog und ich nähern uns langsam der Zweijahresmarke und ich finde, dass "Lora liest" ein neues Gewand verdient hat. Also wundert euch nicht, wenn es hier auf einmal etwas anders aussieht.
Ich möchte auch gerne das kleine Upgrade nutzen, um den Inhalt etwas abzustauben. Dafür brauche ich aber eure Unterstützung, denn eure Meinung ist mir sehr wichtig:

Habt ihr Vorschläge, wo ich Schwerpunkte setzen sollte, was ich getrost weglassen kann oder ob es Bereiche oder Themen gibt, die ihr schmerzlich vermisst? Ich habe zum Beispiel in letzter Zeit seltener an Aktionen teilgenommen und habe weniger gepostet. Ist dieser Trend für euch ok, oder sollte ich doch etwas aktiver sein?


Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und ihr dürft gepannt auf den neuen Look sein.


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Sonntag, 8. Januar 2017

White Knight von Heike Wahrheit (Hamburg Rain 2085)

Heike Wahrheit: White Knights - Hamburg Rain 2085

Ich öffne dieses Buch mit einem Klick auf die Entertaste und werde sofort in das Hamburg des Jahres 2085 katapultiert. Kein Netz, kein doppelter Boden, keine Pausen erlaubt - aber bloß nicht vergessen zu atmen. Ich werde ganz selbstverständlich mit unglaublichen Wortkreationen bombardiert, dass mir die Ohren glühen und ich mich frage, ob Autorin Heike Wahrheit tatsächlich von dieser Welt ist oder ob sie eine kleine Zeitreise aus der Zukunft unternommen hat, um diese Geschichte zu erzählen. Denn ihre Sprache kommt so selbstverständlich daher, dass ich das mulmige Gefühl bekomme, sie hat sie nicht erfunden. Da ist von gewaltfreier Aggressionsprophylaxe die Rede und man steht plötzlich vor einer hyperrealen Inkarnation einer analogen Bildstörung. Das klingt ohne Kontext schräg, erklärt sich aber im Rahmen der Handlung wie von selbst.

Und dann ist da noch Daira, die Protagonistin, der Technikfreak. Was habe ich mich auf das Wiedersehen mit ihr gefreut! Sie ist meine absolute Lieblingsfigur in der Hamburg Rain Serie. Und sie ist sich treu geblieben. Auch wenn sie in die oberen Stockwerke der Stadt rehabilitiert wurde, bleibt sie mindestens genauso direkt, kriegerisch, chaotisch und sympathisch, wie sie es in den Minus-Etagen im Vorgänger-Roman Sundown aus der ersten Staffel war. Ihr ständiger Begleiter ist River, ein Tüftler und Gamer, der ihr gehörig auf die Nerven geht.

Inhaltlich dreht sich die Geschichte um die Gamer-Szene, die sich so weit entwickelt hat, dass die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen und sich sogar gegenseitig beeinflussen. Auch dieses Phänomen hat eine logische Bezeichnung: Transhumanisieren. Parallel - und da kriege ich Gänsehaut ob der Aktualität – dreht sich die Geschichte um die Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Verbreitung falscher Meldungen in den digitalen Medien.

Wenn du Interesse hast, diesen Band zu lesen, aber die Hamburg Rain Reihe nicht kennst, solltest du unbedingt vorher das Prequel zur Staffel lesen. Vielleicht auch den Vorgänger "Sundown", da ab und zu Bezüge gesetzt werden. Bist du Gamer, Technikfreak, Science Fiction Fan, Freund*in von Wortakrobatik? Dann kommst du hier bestimmt auf deine Kosten.


Lieben Dank für das Rezensionsexemplar, Heike Wahrheit.


Eckdaten: White Knights (Staffel 2, Hamburg Rain 2085), eBook, 220 Seiten, Knaur Verlag
Über die Autorin: Heike Wahrheit
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Samstag, 7. Januar 2017

Ankündigung: Online-Festival für Fantasy Fans (6. bis 12. Februar)


Es dauert nicht mehr lange, dann schweben Elfen, Drachen, Orks und Magier durch den Aether und lassen die Herzen der Fans von Fantasy-Literatur höher schlagen. In der Woche vom 6. bis 12. Februar läuft nämlich die erste Online Fantasy Woche unter der Schirmherrschaft der Autorinnen Emily Thomsen und Christin Burger.

Eines kann ich euch jetzt schon sagen: Die Organisatoren haben wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um in der Woche das Netz zum glühen zu bringen. Autorinnen und Autoren jeder Spielart des Fantasy-Genres von Urban über Romantic bis High Fantasy, Blogger*innen und jede Menge Überraschungen sind dabei. Ihr könnt euch freuen auf spannende Buchvorstellungen, Interviews, Live-Autorenlesungen und Gewinnspiele, regen Austausch, und vieles mehr.

Ich bin auf jeden Fall dabei und würde mich wahnsinnig freuen, euch dort zu treffen.

Und hier noch mal als kleines Appetithäppchen, die beteiligten Autorinnen und Autoren:
Julia Adrian, Amber Auburn, I.Reen Bow, Christin Burger, Robert Corvus,  Mella Dumont, Alana Falk ,Ela Feyh, Alexandra Fuchs, Marie Grasshoff, Bernhard Hennen, Ju Honisch,  Mirjam H. Hüberli, T.S. Orgel, Ava Reed, Rose Snow, Emily Thomsen, Mira Valentin
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Mittwoch, 28. Dezember 2016

[Blick über den Tellerrand] mit Autor Oliver Kyr


Nach langer Zeit habe ich wieder ein Interview für euch!
Es kommt nicht sehr oft vor, dass ich beim Lesen unbedingt erfahren möchte, was für ein Mensch hinter der Geschichte steht. Bei dem Roman Ascheland von Oliver Kyr ging es mir so. Und es gibt tatsächlich eine ganze Menge Interessantes über diesen Autor zu entdecken.



Oliver Kyr hat vor ein paar Jahren sein Leben komplett umgekrempelt. Er löste sich von den gesellschaftlichen Erwartungen, kündigte seinen Job, packte seine sieben Sachen in ein Wohnmobil und reiste mit Frau und Tochter quer durch Europa. Ganz ohne Plan, einfach drauf los. In diesem knappen Jahr entwickelte er seine ganz eigene Lebensphilosophie, führte einen Reise-Vlog und schrieb den Roman Ascheland. 




Oliver, ich freue mich riesig, dass du dich dazu bereit erklärt hast, diese Fragen zu beantworten.
 *Weiterführende Linksfindet ihr am Ende des Beitrags. 

Was war dein Berufswunsch mit 8, 14 und 18 Jahren und warum?

Ich wollte mit 8 unbedingt Science Fiction-Autor werden. Ich hatte meinen Eltern und Großeltern die Ohren schon blutig erzählt mit Lasern, Robotern und Raumschiffen, und das wollte ich später in gedruckte Bücher umsetzen.

Meine Oma hatte mir zum Geburtstag eine Stunde ihrer Zeit geschenkt. Sie konnte zehn-Finger-System und hat eine meiner Geschichten live in die Schreibmaschine „gezimmert“. Dann gab sie mir die Seiten, und ich hatte mein allererstes eigenes Buch in der Hand. Mann, war ich stolz!!

Mit 14 hatte ich überhaupt keinen Plan, was ich mal machen sollte. Mein Vater war Kieferorthopäde und es bot sich an, einmal seine Praxis zu übernehmen. Nach einem zweiwöchigen Praktikum war aber klar, dass das nicht mein Weg sein würde. Da waren wir uns übrigens beide einig.

Mit 18 wollte ich Wirtschaftswissenschafen studieren. Was anderes fiel mir nicht ein, und Priorität war „viel Geld verdienen“. Darauf kommt’s doch an im Leben, dachte ich. Ein Berufsberater, dem ich noch heute dankbar bin, brachte mich darauf, meiner zweiten Leidenschaft zu folgen: Filme machen. Und also wurde ich Werbefilmregisseur.

Gibt es etwas, woran du als Jugendlicher geglaubt hast, aber jetzt nicht mehr? 

Ich glaubte lange daran, alles „richtig machen zu müssen“. Was bedeutete: so wie alle anderen. Nicht aus der Norm oder aus der Rolle fallen. Straight in die Vita und auf die Karriereleiter. Aber wenn du ganz oben auf der Leiter stehst, stellst du oft fest, dass du sie an die falsche Hauswand gelehnt hast. Und dann muss man wieder runter und von vorne anfangen. An einer anderen Hauswand, die dann eben die „richtige“ ist. Und viele Jahre später kommt vielleicht die nächste Wand, sprich: Herausforderung...
Seit Jahren schieße ich quer und folge meiner Intuition, und das macht mich glücklich.

Was denkt dein Hauptprotagonist bzw. der Übeltäter aus deinem aktuellsten Buch über dich (zB würde er/sie mit dir einen Kneipenbummel machen)?

Zacharias Brandt würde mich belächeln, weil ich daran glaube, Kinder in diese Welt zu bringen. In der Kneipe würden meine hoffnungsvollen Gedanken viel Zynismus in ihm herauf beschwören. Aber nach dem dritten Korn oder so würde er fragen, ob wir uns nicht regelmäßig treffen könnten. Mit seiner dreibeinigen Hyäne und meinen beiden Chihuahuas spazieren gehen. Und vielleicht mit meiner dreijährigen Tochter philosophieren...

Warum schreibst du eigentlich Bücher, wenn du anderswo, zum Beispiel in der digitalen Welt, viel mehr erreichen könntest? 

Wenn ich schreibe, bin ich glücklich auf einer Art und Weise, die ich sonst nirgends finde. Ich liebe diesen Zustand (den einige „Flow“ nennen) und vermisse ihn, wenn er nicht um mich ist.

Mein erstes Buch, „Audrey und der Tod“, habe ich im „Flow“ in zwei Nächten geschrieben. An den Schreibprozess kann ich mich nicht erinnern. Auch wenn ich die geschichte hin und wieder vorlese, scheint es mir, als ob „jemand anders“ sie zu Papier gebracht hätte.

Darüber hinaus bekomme ich hin und wieder Feedback von Lesern, die mir schreiben, eines meiner Bücher hätte ihr Leben zum Positiven verändert. Wenn ich das kann, oder vielmehr: wenn mir dieses Talent gegeben ist, dann muss ich es nutzen. Es ist meine Aufgabe, und dieser nachzukommen, bedeutet für mich Glück.

Wenn du mit deinen Büchern etwas Großartiges in der Welt bewirken könntest, was wäre das? 

Die Einsicht, dass Krieg immer die falsche Lösung ist. Und das Bewusstsein, dass wahre Veränderung bei einem selbst anfängt.

Wo siehst du dich und das gedruckte Buch in 10 Jahren? 

Ich plane nicht mehr und verfolge keine geraden Wege. Insofern habe ich keine Vision oder Ahnung von mir in 10 Jahren.

Das gedruckte Buch? Ich fürchte, es wird ganz langsam in eine „Liebhaberecke“ gedrängt werden. Noch ist der Anteil der eBooks klein, aber das liegt m.E. an den Lesegeräten, die noch nicht wirklich im „Lifestyle“-Segment angekommen sind. Sobald man Bücher problemlos auf dem Handy lesen kann und sobald die Nischen-Gattungen den Mainstream überholen, wird - denke ich - die elektronische Plattform aufgrund ihres geringen Publishing-Risikos das gedruckte Buch endgültig ablösen.

Ob das schlimm ist? Für mich als Buchliebhaber natürlich schon. Für künftige Generationen? Ich glaube nicht.

Links: 
Oliver Kyr, Autorenwebseite

Oliver Kyr erklärt seine Lebensphilosophie (Youtube)
Pegasus Family

Rezensionen:
Buchzeiten
Loraliest

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Sonntag, 18. Dezember 2016

Ascheland von Oliver Kyr

Oliver Kyr: Ascheland
Diese Dystopie bietet nicht nur spannende Unterhaltung. Ascheland geht in die Tiefe und hinterfragt die Existenzberechtigung der Menschheit, nachdem sie sich selbst und ihren Lebensraum komplett zerstört hat. Ganz real, knallhart und fast anklagend. Denn was würde eigentlich in uns geschehen, wenn wir realisieren, dass wir die Zukunft unserer Kinder zugrunde gerichtet haben?

Kurze Episoden, lose aneinandergereiht, wie Perlen auf einer Schnur, tragen die Handlung. Manche sind traurig, manche tragisch, die wenigsten hoffnungsvoll, aber jede einzelne steht für sich allein. Die einzige Verbindung ist die unendliche Einsamkeit, mit der die Figuren zurechtkommen müssen. Jeder Mensch hat seine eigene individuelle Überlebensstrategie, an die er andere nicht teilhaben lassen will oder kann. Die Figuren mögen verrückt geworden sein, bleiben bei näherem Hinsehen aber liebenswert menschlich.

Zacharias Brandt wandert mit seiner dreibeinigen Hyäne Else durch diese Episoden. Er ist auf der Suche und gleichzeitig auf der Flucht. Er ist Hoffnungsträger für andere, aber will es gar nicht sein. Er ist bekannt als der Kindermacher, der einzige zeugungsfähige Mann in der Region und er geht immer wieder gegen seine Überzeugung mit dieser Eigenschaft Tauschgeschäfte ein: Samen gegen Überlebenspaket. Zack, ganz einfach. Aber so einfach nun auch wieder nicht, denn auf seinen einsamen Wanderungen hält er Gericht über sich und seine Taten und landet immer wieder bei derselben Frage, auf die er keine Antwort weiß und die ihn bei Tag und Nacht fast in den Wahnsinn treibt: Hat er das Recht, den Menschen Hoffnung auf eine Zukunft zu geben?

Der Schreibstil von Oliver Kyr unterstreicht die dunkle Stimmung des Buches mit kurzen, knappen stakkatoartigen Sätzen und Kapiteln. Rückblenden in die Jahre rund um die alles vernichtende Katastrophe lassen den Leser die Geschehnisse schemenhaft nachvollziehen. Da war Zacharias Zoowärter, das hatte damals noch eine Bedeutung. Die Klarheit liegt eindeutig im Jahr 2023, fünf Jahre nach dem „Untergang“. Alles ist zerstört, hört auf zu existieren oder verliert seine Relevanz. Hier nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und beschreibt die Realität in deutlichen und teilweise harschen aber auch sehr bildhaften Worten. Denn es gibt kein Vertun, die Menschheit ist am Ende.

Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt. Das liegt zum einen an der Nähe zu unserer heutigen Realität. Die Welt, die Oliver Kyr beschreibt ist erschreckend denkbar. Zum anderen beeindruckt mich die Vielschichtigkeit der Geschichte. Action, Philosophie, Aberglaube, Hoffnung: alles drin. In kurzen, knappen Worten schafft es der Autor eine klamme Endzeitstimmung heraufzubeschwören. Am Ende bleibt doch noch ein kleiner Funken Hoffnung. Ein empfehlenswertes Buch.

Danke lieber Acabus Verlag, für das Lese-Exemplar.

Eckdaten: Gebunden, EBook, 220 Seiten, Acabus Verlag
Besuch doch mal den Autor: Oliver Kyr

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